Citrat-Antikoagulation

Monitoring-Übersicht

Die routinemäßige, proaktive Überwachung während einer laufenden Behandlung — was gemessen wird, welche Zielwerte gelten und wie oft kontrolliert werden sollte. Für das reaktive Vorgehen bei bereits aufgetretenen Problemen siehe Troubleshooting.

Was wird gemessen?

ParameterWarum
Ionisiertes Calcium — PostfilterDirektes Maß für die Antikoagulationswirkung im Kreislauf
Ionisiertes Calcium — systemischPrüft, ob die Calciumsubstitution beim Patienten ausreicht
Gesamt-CalciumZusammen mit iCa: Verhältnis zeigt eine beginnende Citratakkumulation an
Säure-Basen-Status (pH, HCO₃⁻)Erkennt metabolische Alkalose/Azidose frühzeitig
Elektrolyte (Na, K, Mg, Phosphat)Citrat beeinflusst mehrere Elektrolyte gleichzeitig (siehe Elektrolytstörungen)
LaktatIndikator für Gewebehypoperfusion — relevant für Citratmetabolismus (siehe Kontraindikationen)
TriglyzerideBei unklarer Verschlechterung der Filterleistung — assoziiert mit Clogging (siehe Clogging)

Zielwerte im Überblick

Die Zielwerte unterscheiden sich zwischen den Verfahren teils deutlich — hier nur zur groben Orientierung. Für die verbindlichen Werte immer die jeweilige Geräteprotokoll-Seite verwenden.

VerfahrenPostfilter-iCaSystemisches iCaCa-Ratio (Warnschwelle)
CRRT allgemein0,25–0,35 mmol/l1,0–1,2 mmol/l> 2,5
Prismaflex0,25–0,50 mmol/l1,0–1,3 mmol/l> 2,5
OMNI0,25–0,4 mmol/lNormbereich> 2,5 (manche Zentren > 2,1)
Genius-System (Off-Label)0,5–0,7 mmol/l—nicht etabliert

Auffällig: Der Genius-Zielwert liegt deutlich höher als bei CRRT — ein gutes Beispiel dafür, warum sich Zielwerte nicht einfach zwischen Verfahren übertragen lassen (siehe unsere Diskussion dazu auf der Genius-Protokollseite).

Kontrollintervalle

SituationÜbliches Intervall
CRRT — Start / erste Stundenstündlich bis zur Stabilisierung
CRRT — im weiteren Verlauf, stabilalle 6–12 Stunden
Intermittierende HD / Genius (Off-Label) — engmaschiges Schemaalle 30–60 Minuten über die gesamte Behandlungsdauer
Intermittierende HD — vereinfachtes formelbasiertes Schemanur vor Beginn und nach 60 Minuten (siehe Intermittierende HD)

Der Unterschied ist kein Zufall: Bei einer 4–8-Stunden-Behandlung bleibt schlicht weniger Zeit, um eine Fehleinstellung zu erkennen und zu korrigieren, als bei einer Behandlung über Tage — das Intervall muss entsprechend enger getaktet sein (siehe Off-Label-Übersicht).

Wann zusätzlich kontrollieren?

  • Bei Therapiebeginn und nach jedem Filterwechsel
  • Nach jeder Anpassung der Citrat- oder Calciumdosis
  • Bei unerwarteter Änderung von Transmembrandruck oder Gerätealarmen
  • Bei klinischem Verdacht auf Citratakkumulation oder Clogging (z. B. unklare Verschlechterung trotz unauffälliger Werte) — siehe Troubleshooting
  • Bei neu aufgetretener Instabilität des Patienten (Schock, Leberfunktionsverschlechterung) — siehe Kontraindikationen
Diese Übersicht ersetzt kein zentrumsspezifisches Monitoring-Protokoll. Die exakten Zielwerte und Intervalle sollten anhand der verwendeten Geräte und der institutionellen Vorgaben festgelegt werden.