Citrat-Antikoagulation
Standardverfahren

Prismaflex — Citrat-CVVHDF

Praxisprotokoll mit Aufbau, Fließraten, Kalzium-Substitution und Monitoring-Schema.

Ein Teil dieses Protokolls basiert auf dem intern verwendeten Klinikprotokoll einer Intensivstation (Stand 2008, seitdem ggf. angepasst). Ergänzende Referenzwerte stammen aus Herstellerschulungsunterlagen. Beides dient als Ausgangspunkt — jedes Zentrum muss das Protokoll an die eigene Geräteversion, Software (z. B. eXeed vs. eXeed II) und Zulassungssituation anpassen, bevor es angewendet wird.

Aufbau

CVVHDF-Modus, Filter HF 1400. An der PBP-Waage ein Prismocitrat 10/2-Beutel, an der Dialysatwaage ein Prism0cal-Beutel, an der Substituatwaage ein Prismasol-Beutel. Keine Heparin-Spülung des Systems, Heparin-Zuleitung abgeklemmt.

Drei bis vier Perfusoren (Calcium möglichst über eigenen ZVK-Schenkel, getrennt von Sedativa):

  • Calciumgluconat 10 % oder Calciumchlorid 5,5 % (Startrate siehe Substitutionstabelle)
  • KCl 7,46 %, Startrate 10 ml/h (nach Zentrumsstandard)
  • Mg-Sulfat 50 %, 0,5–1 mmol/h nach Laborwert

Standard-Einstellung (Beispiel: 3,5 mmol Citrat/l Blut)

ParameterWert
Blutfluss120 ml/min
Substituat post300 ml/h
Dialysat900 ml/h
PBP (Prismocitrat)1600 ml/h

Dialysat-/Substituatlösungen im Vergleich

mmol/lPrismocitrate 10/2PrismoCit K4Prismocitrate 18/0Prism0cal B22
Tri-Natriumcitrat10,010,018,0—
Zitronensäure2,02,00,0—
Natrium136,0140,0140,0140,0
Chlorid106,0114,086,0120,5
Kalium0,04,00,04,0
Bikarbonat—32,0—22,0
Calcium0,00,00,00,0
Magnesium—0,5—0,75

Calcium liegt in allen citrathaltigen Lösungen bei 0 mmol/l — die effektive regionale Antikoagulation setzt genau darauf auf. Werte nach Herstellerschulungsunterlagen (Gambro/Baxter), Zentrumsprotokolle können abweichen.

Regionale Verfügbarkeit: Prismocitrate-Lösungen (heute unter Baxter vermarktet) sind außerhalb der USA erhältlich — in den USA aktuell nicht zugelassen/verfügbar. US-Zentren nutzen andere Citratlösungen bzw. -protokolle.

Monitoring-Schema

ZeitpunktKontrolle
30 + 120 min nach BeginnArterielle BGA + Postfilter-BGA
Danach alle 4 Std.Arterielle BGA + Postfilter-BGA
Täglich (Routinelabor)Na, K, Glukose, Chlorid, Gesamt-Ca, Mg, Phosphat, Kreatinin, Harnstoff, Albumin

Anpassung der Fließraten

1. Postfilter-Calcium (Ziel 0,25–0,35 mmol/l)

Bei Wert < 0,25 mmol/l: Prismocitrat-Fluss um 200 ml/h senken. Bei Wert > 0,35 mmol/l: um 200 ml/h erhöhen.

2. Calcium-Perfusor nach systemischem ionisiertem Calcium

iCa systemisch (mmol/l)< 0,800,80–0,991,00–1,201,21–1,33> 1,33
Calciumgluconat 10 % (ml/h)+10+5keine Änderung−5−10
Calciumchlorid 5,5 % (ml/h)+5+2,5keine Änderung−2,5−5

3. Kalium-Perfusor nach Serum-Kalium

Serum-K⁺ (mmol/l)< 4,04,0–4,44,5–5,05,1–5,5> 5,5
Änderung (ml/h)+10+5keine Änderung−5−10

4. Ausgleich von pH-Abweichungen

pH < 7,35: Dialysat-Flussrate um 300 ml/h erhöhen. pH > 7,45: Dialysat-Flussrate um 300 ml/h verringern (Flussraten 50–2000 ml/h möglich).

5. Citratfluss bei geändertem Blutfluss (Beispiel 3,5 mmol Citrat/l Blut)

Blutfluss (ml/min)80100120140160180
Prismocitrat 10/2 (ml/h)108013501600190021002400
Kontraindikationen laut diesem Klinikprotokoll Hypernatriämie, metabolische Alkalose (pH > 7,5), Leberfunktionsstörungen. Beachte hierzu unsere differenziertere Einordnung — insbesondere zur Frage, wann Leberfunktionsstörung tatsächlich limitierend ist.

Ergänzend: Startparameter nach Gewicht (Prismax, Citrat-CVVHDF)

Aus einer weiteren, unabhängigen Klinikleitlinie (Buckinghamshire Healthcare NHS Trust) für Prismax mit Prismocitrate 18/0 (PBP) und Prism0cal B22 (Dialysat) — Citratdosis konstant 3,0 mmol/l:

Gewicht (kg)Blutfluss (ml/min)PBP/Citrat (ml/h)Dialysat (ml/h)Replacement (ml/h)
501001000900200
7012012001200500
9014014001400500
11016016001600600
130180180018001000

Startwert Calcium-Kompensation: 100%. Ideal- statt Ist-Körpergewicht verwenden. Ausführliche Tabelle für alle Gewichtsklassen im Originaldokument.

Monitoring-Zielwerte (Ci-CVVHDF)

ParameterZielbereichKontrollintervall
Postfilter ionisiertes Calcium0,25–0,50 mmol/lstündlich bis stabil, dann alle 6 Std.
Systemisches ionisiertes Calcium1,0–1,3 mmol/lstündlich bis stabil, dann alle 6 Std.
Gesamt-Calcium (unkorrigiert)2,20–2,50 mmol/lnach 6 Std., dann alle 12 Std.
Calcium-Ratio (Gesamt-Ca ÷ ionis. Ca)< 2,5nach 6 Std., dann alle 12 Std.

Warnzeichen für Citratakkumulation: metabolische Azidose, steigendes Ca-Substitutionsbedürfnis trotz fallendem iCa, Laktat > 5 mmol/l, unkorrigiertes Gesamt-Ca > 3 mmol/l.

Wann Citrat laut dieser Leitlinie NICHT die erste Wahl ist

KriteriumSchwellenwert in dieser Leitlinie
Schwer eingeschränkte Leberfunktion / sehr geringe hepatische Reserveklinische Einschätzung; Konsultant kann mit engmaschigem Monitoring übersteuern
Profunder Schock mit Muskel-MinderperfusionNoradrenalin-Bedarf > 0,5 µg/kg/min oder Laktat > 5 mmol/l
Natrium-EntgleisungNa⁺ > 150 mmol/l oder < 130 mmol/l — ggf. CRRT-Start verzögern oder Beutel anpassen

Bei Citratrisiko wird die Ratio Gesamt-/ionisiertes Calcium als bester Parameter zur Akkumulationserkennung genannt, mit einem in dieser Leitlinie diskutierten Cut-off von 2,1 (abweichend von den sonst gebräuchlicheren 2,5) — Zentrumsstandard maßgeblich. Hinweis der Quelle: Eine finale Aussage zur generellen Eignung bei Leberpatienten steht mangels Aktualisierung der KDIGO-Leitlinie seit 2012 noch aus (siehe unsere Einordnung zum KDIGO-Update 2026).